Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Wenn ein einziger Blick genügt, um sich anschliessend Stunden mit der Verarbeitung des visuellen Eindrucks zu beschäftigen, weiss man, dass dieses Sprichwort sticht.
So geschah es mir, als ich mit 17 ein Foto in einer Zeitschrift sah, dessen Wirkung und die darauf folgende genaue Analyse mein weiteres Leben maßgeblich bestimmen würden: Es prägte nachhaltig mein Empfinden und meine Aufmerksamkeit für Sinnlichkeit und Ästhetik – und für den Radsport.
Die Stimmung war eher gedrückt, vielleicht auch etwas ratlos. Die Leidensgenossen waren sich einig, dass gerade etwas Grundlegendes ändert – und dass sie dabei in Mitleidenschaft gezogen werden. So sehr sie sich in den vielen erhitzten Debatten mit Kunden und Auftraggebern immer für Veränderung ausgesprochen hatten, so wussten sie jetzt nicht recht Rat, wie sie mit der Situation umzugehen hatten. Die Existenz ihrer Berufsgattung steht auf dem Spiel!
Es war wieder so weit: Der Besuch einer großen Fachmesse für Konsumentenelektronik.
Viele Jahre schon pilgere ich – und mit mir viele Kollegen und Ex-Kollegen – zu diesem Tempel der Elektronikbranche. Und wie jedes Jahr treffen sich die Branchengrößen und jene, die es gerne werden wollen, um der Welt zu zeigen, was sie imstande sind zu tun und inwiefern sie dabei besser sind als ihre Konkurrenz.
Es war ein klassischer Designjob: Die vorgegebene technische Plattform war als solches nicht wirklich herausragend (vielleicht bis auf die neue ultraschnelle Laserabtastung), auch die Funktionalität war nicht wirklich differenzierend gegenüber der der Konkurrenz (wieso auch, es handelte sich schließlich um eine Computermaus…), also musste das Design den Unterschied machen.
Gute Gestaltung ist wie gute Medizin: Sie hat einen holistischen Ansatz, betrachtet das Unternehmen immer als Ganzes und setzt bei der Persönlichkeit an, um die Gesundung voranzubringen. Nicht die Auswirkung wird hinterfragt, sondern die Ursache.