freude am warten
Das habe ich mir dann doch gegönnt, das Angebot war zu verlockend! Viele Jahre habe ich auf einen Neukauf verzichtet und mir eigentlich vorgenommen, es nur noch zu mieten, wenn ich es brauche – ein Auto. Mit diesem Angebot jedoch war mein Bedürfnis nach sofort verfügbarer, individueller Mobilität wieder vollauf geweckt!
Für keine 15.000 Euro war der schicke Wagen zu haben: ein flexibler Zweisitzer mit genügend Stauraum, um auch mal was zu transportieren, und zudem mit ordentlich Wumm unter der Haube für reichlich Freude am Fahren. Von 0 auf Hundert in 6 Sekunden – wer braucht das schon? Und der Verbrauch? Na, gar nichts im klassischen Sinne, denn jetzt kommt die Energie aus der Batterie! Und da die Batterieladung aus Ökostrom erfolgt, freut sich auch das Gewissen.

Apropos: Ein zusätzliches Plus beim Angebot war natürlich, dass der Erstausstatter der Batterie die ersten 3 ‚Wechsel’ als Bonus gratis herschenkte – und dann gleich noch die ‚long-range‘-Ladung für 1000 km – na, da sage ich: „Alles super!“
Denn bei rund 100 Euro pro Batterie ist die Entscheidung für ein E-Auto immer schwierig gewesen, vor allem, wenn man mit einer Batterie in der Regel nur 300 km weit kommt. Aber die Tatsache, dass jetzt immer mehr Anbieter die Reichweite hinaufschrauben, macht die Sache sehr attraktiv. Na ja, und wenn die Racer unbedingt die ‚Power‘-Batterie für noch schnelleres Fahren kaufen wollen, sollen die doch! Früher schmissen die sich Super Plus in den Tank – erinnern Sie sich noch?
Inzwischen komme ich mit 2 Batterien bis nach Kärnten und da das ‚Tankstellennetz‘ sehr dicht ist, ist es mir inzwischen schnuppe, wo wir sonst noch hinfahren – eine volle Batterie findet man immer!
Dass man nicht eher auf den Entschluss gekommen ist, den Sprit durch eine austauschbare Batterie zu ersetzen! Politiker sind halt auch nur korrupt: Irgendwie hat dann eine Lobby das universelle Batteriesystem durchgeboxt, das jedem erlaubt, die Dinger anzubieten, woraufhin sie von allen Autoherstellern verbaut wurden. Klar, dass die großen Mineralölfirmen auf einmal ihre Tankstellen umrüsteten: Die machen Kasse ganz genauso wie vorher! OK, es gibt zwar zwei dominante Systeme, aber früher hatten wir doch auch Diesel und Benzin? Und dass sich beim Preis für eine Batterie kaum was tut, erinnert auch auffallend an die Zeiten der immer gleichen Spritpreise – kein Wunder, bedient sich der Staat doch ganz gehörig über die Steuer! Ich für meinen Teil begrüße die Besteuerung des Fahrens statt des Besitzens, sodass auch der, der mehr fährt, mehr zahlt.
Ich bin immer noch fasziniert davon, wie schnell der Austausch der Batterien an der ‚Tanke‘ geht. Von wegen 5 Minuten im Benzindunst an der Zapfsäule rumlungern: einfach in die Vorrichtung fahren, seine Pin am Armaturenbrett eingeben, Batteriemodell auswählen – und keine 30 Sekunden später ist die Sache geritzt! Weiter geht’s mit frischem Saft! Dass dank ausgebuffter Verschlüsselung die Teile nicht mehr geklaut werden können, hilft natürlich auch. Vorbei die Zeiten, in denen man ohne Batterie da stand! Na ja, ohne Sprit bin ich aber auch schon mal gestanden.
Was mich am meisten fasziniert, ist, dass ich endlich wieder echte Freude am Fahren habe! Letztendlich ist es doch Teil deiner persönlichen Freiheit, einfach einzusteigen und loszufahren.
Letztens sind meine Frau und ich einfach so, an einem schönen Sonntagvormittag, durch die Eifel gedüst. Wunderbar war das: die kleinen Straßen durch die verlassenen Täler, um uns herum nur das Gezwitscher der Vögelchen und hier und da ein rauschender Wildbach, in unseren Nasen nur frische Luft. Und weil’s so schön war, sind wir gleich weiter bis an die Mosel und erst am nächsten Tag zurück.
Pech nur, dass wir dann bei Köln in einen dicken Stau geraten – manche Dinge brauchen halt noch!
Zum Konzept:
Diese Vision ist eine alte Kamelle. Schon vor vielen Jahren haben sich einige mit dem Gedanken an eine austauschbare Energiequelle für Automobile beschäftigt. Am meisten Wirbel erzeugte Shai Agassi, der mit seinem Unternehmen Better Place (link) die Sache reif für die Umsetzung machte. Warum diese Idee nicht fruchtete, hat viele Gründe, aber vor allem, weil man wohl versuchte, die Rechnung ohne die Mineralölunternehmen zu machen…
Eine proprietäre Lösung kann und wird sich ‚alleine’ nicht durchsetzen, sondern nur dann, wenn auch die ‚Platzhirsche’ zubeißen. Ähnlich wie Jobs es mit iTunes schaffte, die Musikkonzerne zu überzeugen, muss jemand die Öl-Multis an Bord holen – und nicht die Automobilhersteller.
Eine Option wäre ein politischer Eingriff, wie schon beim Benzin geschehen: Ein Standard oder eine Normierung regelt die Umsetzung; umsetzen kann der, der will!
Toll sind auch die ersten Konzepte von ‚Range-Extendern‘, die die E-Autos „alltagstauglich“ machen sollen: Ich liebe zum Beispiel den Batterieanhänger oder auch Generatoren im Kofferraum (sic). Vermutlich folgen Dachbatterien mit Solarpaneelen und Saugnapfen zur Befestigung! Eine ganze ‚Zubehör-Industrie’ wird sich, wohl ähnlich wie beim iPhone, die Hände reiben!
Damit sich die E-Mobilität voll durchsetzen kann, muss es eine Grundvoraussetzung für erfolgreiche Produktinnovation erfüllen: Das neue Produkterlebnis muss besser sein als das alte! Ein Auto an der Steckdose ist ein Erlebnistöter, genauso wie ein Segelboot in einer Flaute… Obwohl manchmal auch einer Freude am Warten hat!
…. leider alles noch zu kompliziert; wer könnte angstfrei eine schmale, zweispurige Rampe hinauf- und wieder hinunter fahren? Selbst wenn es dafür sicher elegantere technische Lösungen gibt: Der Königsweg führt über die weitere Miniaturisierung der Akkus; von der Reichweiten-Optimierung ganz abgesehen. Mal schauen, was die IAA in dieser Hinsicht präsentiert. Siehe auch http://www.teslamotors.com
Übrigens kommt man mit einer Tankfüllung Diesel heutzutage knapp 1.000 km weit – „Sheer driving pleasure“, wie BMW sagt. Davon sind Tesla, Fisker & Co. immer noch meilenweit entfernt. Leider?
Ich glaube dass die Autos länger halten als die Batterien (wie bei vielen Geräten) und in 5 Jahren Teslafahrer arg staunen, wenn sie die Dinger auswechseln müssen (lassen). „Sheer waiting pleasure“ heisst es dann wohl 🙂 Die Innovation beim Autofahren liegt vielleicht nicht im Auto selbst, sondern in der Infrastruktur drumherum: Systemdenken ist halt die hohe Kunst! Bis dahin, a guate!