leadership

Haben Sie Führungsqualitäten? Oder ‚leadership skills‘, wie es in der Geschäftssprache heute heißt. Wenn nicht, dann wird’s eng, denn neben Facharbeitern sind es vor allem die ‚Leader‘, die die Wirtschaft braucht (Führer klingt auf Deutsch zumindest weniger gut). In Anbetracht der vielen verflixten Probleme, vor denen die Wirtschaft steht, sind jetzt ‚Leader‘ gefragt, die uns in die Zukunft führen!

Wohl auch deswegen werden viele schon bald nach dem Eintritt in die Berufswelt damit konfrontiert, dass man Führungsqualitäten bei ihnen fördern will oder muss. Denn Karriere machen und aufsteigen geht nur – und vor allem – mit dieser Fähigkeit: der Fähigkeit zu führen. Da, wo die wahren Leader herkommen – aus den USA natürlich –, fängt man so früh wie möglich damit an, die Leader von morgen aus der grauen Masse herauszuschälen. Da helfen Kaderschulen genauso wie Aufbauprogramme im Kindergarten oder später ein Aufenthalt an der West Point. Auch hier in Europa kennen wir solche Kaderschmieden – und sie nehmen zu.

Wenn man schon ein gestandener Mitarbeiter ist und das nächste Beurteilungsgespräch vor der Tür steht, oder gar das nächste Bewerbungsgespräch, dann gibt es viele Angebote, um seine Führungskompetenz zu stärken, damit man hierarchisch weiterkommt: Sachbücher zum Thema füllen ganze Regale und sind jetzt auch auf Deutsch erhältlich; viele Personalentwickler bieten passende Kurse an, sowie viele Hochschulen, die mit Postgraduates, MBAs und anderen  Weiterbildungsangeboten locken. Wenn das so weitergeht, dann haben wir bald keine ‚Follower‘ mehr!

Letztens tauchte sie wieder bei mir auf – die Frage nach der Führungskompetenz. Bei einem Interview wollte jemand wissen, ob der Befragte glaubt, er habe das Potenzial zum „Leader“. Sichtbar überrascht brabbelte er etwas daher – eine wirkliche Antwort hatte er nicht. Wie denn auch, mit 21 und noch ohne Studium.
Die Frage ließ mich jedoch nicht los. Warum fragen wir danach, was diese Kompetenz bedeutet und vor allem, wie sie derzeit entwickelt wird? Und noch viel wichtiger: Wohin führt (uns) denn ein Leader? Spielt das Ziel darin eine Rolle, oder geht es nur darum, vorneweg zu laufen?

Meine Recherche hinterlässt bei mir kein gutes Bild: Oft ist mit Führungsqualität nur jene gemeint, andere anzuleiten, etwas zu tun, also andere zu ‚managen‘. Da liest man von der Korrelation zwischen Management- und Führungsqualitäten und davon, dass diese quasi synonym sind. Manager sind also Leader; Leader managen. Daher ist man offensichtlich in manchen Kreisen der Meinung, dass Führungsqualitäten jene sind, die Manager haben, und schließt diese Fähigkeiten bei anderen ‚Berufen‘ wie selbstverständlich aus. Ein Techniker scheint keine zu brauchen, ein Entwickler auch nicht, ein Lehrer nicht, ein Designer erst recht nicht. Sollten diese Profis jedoch Führungskompetenz in sich tragen und diese kommt zum Tragen, werden sie schnell zu Managern gemacht. Als ob das Entwickeln von Lösungen und das Lehren von Kindern keine Führungsaufgabe wären! Oder sehe ich da was falsch?

Die Theorie sagt, dass Führung die direkte und indirekte Verhaltensbeeinflussung zur Erreichung von Zielen ist: Also kommt es doch auf die Ziele an und darauf, wie man dahin gelangt. Mit „direkt“ meint man die Peitsche (was heute bedeutet, dass man Vorbild sein muss) und mit „indirekt“ das Zuckerbrot (was heute jene Anreize sind, die die Geführten motivieren, etwas zu tun). Bei direkter Einflussnahme fällt einem sofort das Managen ein, bei indirekter fällt es schwieriger, oder? Für mich ist es die Kompetenz, einen Anreiz zu schaffen, eine Vision zu gestalten – schlichtweg etwas zu kreieren.

Design ist das Zuckerbrot, das die Geführten indirekt dazu antreibt, zu handeln und zu leisten. Design ist das Mittel, mit dem Führende und Geführte ihre Aufgaben so gestalten können, dass sie darin einen Sinn erfahren. Gibt es einen klaren, erfassbaren Sinn, dann muss die direkte Führung keine Peitsche mehr sein, sondern ein zarter Schubs in die richtige Richtung. Henry Mintzberg meint dazu, dass Führung nicht nur ein Handwerk ist, sondern vor allem eine Kunst: Man braucht Kreativität und Phantasie, um Menschen zu motivieren, selbstbestimmt zu handeln und damit ein Ziel zu erreichen.

Wir brauchen Leader, die etwas kreieren und nicht nur managen.

Schauen Sie sich um: Haben Ihre ‚Leader‘ die Fähigkeit, zu gestalten und Visionen zu kreieren, denen Sie folgen wollen? Können unsere Leader tatsächlich etwas gestalten, für das es sich lohnt zu folgen, oder laufen sie nur laut johlend vorneweg?

Für mich gehört das Ruder herumgerissen und die Erkenntnis verbreitet, dass die Leader von morgen nicht nur Manager sind, sondern auch Designer – ich folge keinem mehr, der nicht auch gestalten kann! Also, wenn Ihr Chef Führungskompetenz in Ihnen sieht und diese fördern will, dann machen Sie keinen MBA, sondern besuchen Sie die Kunsthochschule und studieren Sie Design und Management!

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  1. ha sagt:

    Lieber Jan-Erikl Dem kann ich nur indirekt zustimmen. Manager bzw.

    Leader müssen meiner Meinung nach nicht im handwerklichen Sinne

    ‚kreieren‘ können, denn das können andere meist besser und

    schneller. Allerdings sollten sie Visionen, Ziele und sog. ‚desireables‘

    so eindeutig, logisch und klar darstellen, kommunizieren und so

    schmackhaft machen können, dass sie damit nicht nur sich, sendem

    auch andere motivieren können, Höchstleistungen unter Entbehrungen

    und Rückschl.gen auf dem Weg dahin zu erbringen. Natürlich schadet

    es auch nicht, wenn man sich mit den dafür notwendigen tools und der

    hardware auskennt. Das Wesentliche an Leadership ist jedoch denke

    ich dieser unbedingte Wille etwas Neues, Innovatives, noch Besseres

    als Da-Gewesenes zu schaffen! Die Rolle der Designerlnnen als

    ldeenbringer, 2D/3D Visualisierer und Umsetzer ist sicher keine

    unwesentliche und sicher gibt es da auch wieder

    Managementpositionen, die die Entwürfe und Ideen, die diese Visionen

    und Ziele am besten treffen, herausfiltern können. Und manchmal

    passiert es sogar, dass Designerlnnen auch vice versa Leader

    inspirieren, wenn sich diese auf das subtile gegenseitige Spiel von

    ‚Pushing the Iimits ‚einlassen. Und da wird’s dann erfahrungsgemäß

    für beide Seiten erst richtig spannend …

    Lgha

    • Heinz Jürgen sagt:

      •… gerade denke ich viele Jahre zurück, an den Beginn meiner

      bescheidenen Karriere und meine damaligen Leader: Etatdirektor,

      Werbeleiter, Produktmanager, Marketingleiter, Sales Director. Allesamt

      nun wirklich keine Designer! Aber ich erinnere mich gern an diejenigen,

      welche Wertschätzung designed, Vertrauen initiiert, Mut propagiert und

      Visionen kreiert haben.

      „Denn ein Schiff erschaffen heißt nicht die Segel hissen, die Nägel

      schmieden, die Sterne lesen, sondern die Freude am Meer

      wachrufen .“

      – Antoine de Saint-Exupery –

      Die übrigen zwei oder drei habe ich zwischenzeitlich längst vergessen:

      unzugängliche Zahlenknechte, unausstehliche Kontrollfreaks und

      ähnliche Führungskompetente.

      Beweisführung zum Thema Leadership & Design abgeschlossen?

      Heinz Jürgen

      • ha sagt:

        Lieber H.J., das klingt ein wenig nach verklärter ·soziai-Romantik.l

        Auch wenn natürlich das Antoine de Saint-Exupery Zitat schon sehr

        besonders ist.

        Aber warum reden die beiden-Kreative und Leader-so oft wie ein in die

        Jahre gekommenes Ehepaar aneinander vorbei? Gibt es ein ·LeaderGen

        ·und ein ·Kreativ-Gen·? Sind erfolgreiche Unternehmen von

        kreativen Leadern, oder führenden Kreativen bestimmt? Warum sind

        Kreative meist untalentiert sich selbst zu venmarkten, wenn sie es

        selber besser machen wollen?

        lg ha